Satzplan
der Kapitel I bis V nebst Schlußfolgerungen daraus
§
1
Hauptvermutung 1: Die menschliche-Realität taucht inmitten
der Fraglichkeit der Welt auf und ist von vornherein bedeutend.
Korollar 1: In diesem Sinne ist Sprache bedeutungsentfaltend.
Sprache weist menschliche-Realität zuerst als solche aus. Über
die Angemessenheit der Signifikantenwahl entscheidet die explizite
Struktur des Welthaften im Bezug auf die je menschliche-Realität.
Korollar 2: Insofern die menschliche-Realität von Beginn
an signi-fizierend verfaßt ist, existiert sie auch.
Hauptvermutung 2: Die menschliche-Realität existiert als
wesent-lich entfernende Totalität.
Korollar 1: Hier deutet sich bereits der onto-epistemische Vermitt-lungszusammenhang
an, welcher der Terminologie Sandkühlers entnommen ist. Seine
Konsequenz besteht darin zu erkennen, daß die menschliche-Realität
auf der ontologischen Ebene monistisch verfaßt ist (also
als welthafte Totalität inmitten der Seienden er-scheint),
auf der epistemologischen Ebene jedoch dualistisch (also darauf
verwiesen, zwischen Signifizierendem und Signifiziertem – zwischen
Subjekt und Objekt – zu unterscheiden). In diesem Sinne ist
das Bedeuten (das Gewinnen der epistéme) selbst Seinsweise
der menschlichen-Realität.
Korollar 2: Die menschliche-Realität ist Selbstdistanz.
Korollar 3: Die menschliche-Realität ist irreduzibel, unauss-chöpfbar
und unhintergehbar.
Hauptvermutung 3: In dem Versuch, sich auf sich selbst zurückzu-wenden,
ist das Bedeuten der menschlichen-Realität selbst-narrativ
strukturiert.
Hauptvermutung 4: Die menschliche-Realität wird aus ihrem
eige-nen Dunkel des gelebten Augenblicks herausgetrieben, auf ein
vor-scheinend Entgegenkommendes zu.
Hauptvermutung 5: Die menschliche-Realität ist für sich
freie Wahl und hat insofern die Struktur des Entwurfs.
§ 2
Hauptvermutung 6: Die menschliche-Realität ist Ausdruck des
Subjekts auf der Bewußtseinsebene. Die Person ist Ausdruck
des Subjekts auf der konkret praktischen Ebene.
Korollar: Diese Einigung der Person kann nur erreicht werden nach
Maßgabe aller relevanten, vorfindlichen Informationen über
die Person.
Hauptvermutung 7: Bedeuten heißt totalisieren der vorfindlichen
Information, das heißt einigen aller Wissenfragmente, insoweit
sie erkannt worden sind.
Hauptvermutung 8: Die menschliche-Realität als Person ist
ein singuläres Universelles.
Korollar 1: Es gibt immer einen Kontext, welcher nichts anderes
ist als der Ausdruck der permanenten gesellschaftlichen Vermitteltheit
der Person. Auf der makroskopischen Ebene dokumentiert sich der
Kontext als explizite Struktur des sozialen Feldes.
Korollar 2: Es besteht somit eine Notwendigkeit für die Person,
sich auf diesen Kontext hin zu transzendieren.
Korollar 3: Die Person drückt sich deshalb praktisch in allem
glei-chermaßen aus. Dieses ist der Grund ihrer empirischen
Haltung.
Hauptvermutung 9: Die empirische Haltung der Person drückt
sich in ihrer freien Wahl aus. Umgekehrt drückt die rekonstruierte
Wahl der Person deren empirische Haltung aus.
Hauptvermutung 10: Die Wahl der Person besitzt immer ein intrin-sisch
strategisches Moment.
Hauptvermutung 11: Das angemessene Mittel zu einer solchen Ex-plikation
ist die Teilnahme am herrschenden Diskurs, welcher selbst Produkt
des sozialen Feldes ist.
Korollar 1: Jeder Diskurs ist in diesem Sinne immer auch Selbst-diskurs.
Korollar 2: Die Vermittlung beider, des Diskurses mit dem Selbst-diskurs,
geschieht praktisch über die diskursive Institution des Ap-pells.
Korollar 3: Weil jede Vermittlung im wechselseitigen Bedeuten
begründet ist, welches sich in der Kommunikation, als prozessualer
Verfaßtheit der diskursiven Interaktion, ausdrückt,
muß sich jeder Diskurs zwangsläufig verfehlen.
Korollar 4: Jenes Verfehlen der Diskurse dient der Erfüllung
zwei-er Aufgaben, welche sich der Person stellen. Zum einen soll
der von diesem Verfehlen „aufgespannte“ Spielraum des
Bedeutens den je Anderen vom Wesentlichen ablenken und ihn auf
mögliche, gleichwohl zunächst fernliegende, Bedeutungen
verweisen, die selbst dazu beitragen können, den eigenen Diskurs
zu vervollstän-digen. Zum anderen aber ermöglicht jener
Spielraum zuallererst, daß überhaupt ein Diskurs am
Leben gehalten werden kann und Verständigung letztlich zustandekommt.
Deshalb gilt es zugleich, ihn gemeinsam mit den Anderen zu „pflegen“.
Korollar 5: Der Mensch als Person ist somit immer ein Komödiant.
Hauptvermutung 12: Auf der praktischen Ebene der sozialen Ver-mittlung
ist der Diskurs immer der Diskurs des Anderen. Auf der Bewußtseinsebene
der menschlichen-Realität drückt das Heraus-treiben aus
dem Dunkel der Unmittelbarkeit entsprechend ein Be-gehren aus,
das immer das Begehren des Anderen ist.
Hauptvermutung 13: Der existentielle Mangel, welcher sich im Begehren
ausdrückt, hat sein materielles Äquivalent im geschlecht-lich
begründeten Mangel.
§ 3
Hauptvermutung 14: Zeitlichkeit hat ihren Ursprung in der initialen
Sequenz der Entfernung.
Korollar: Insofern definiert Zeitlichkeit auch immer schon eine
generische Taktsequenz der Insichtnahme.
Hauptvermutung 15: Zeitlichkeit drückt sich in der Menge
rekon-struierter Antizipationen aus.
Hauptvermutung 16: Die gesellschaftlich konventionelle Zeit ist
der kollektive (gewichtete) Mittelwert über alle Alter.
Korollar 1: Der Blick der Anderen, unter dem jede Person immer
schon steht, ist es, der zeitigt.
Korollar 2: Auf der onto-epistemischen Ebene der Reflexion ist
Raum-Zeitlichkeit Ausdruck der gesellschaftlichen Verfaßtheit
der Menschen. (Das heißt, es gibt nicht Raum und Zeit in
einem abso-luten, ontologischen Sinne!)
Hauptvermutung 17: Zeitlichkeit bindet sich an ihren Ursprung
zurück, indem sie narrativ den interaktiven Diskurs auf Gemein-samkeit
hin prägt.
§ 4
Hauptvermutung 18: Differenzierung wirkt als Negationsoperator
auf vorfindliches Welthaftes.
Korollar 1: Die Menge der möglichen Negationen gehorcht einer
spezifischen Algebra.
Korollar 2: Die Negatoralgebra ist Teilalgebra einer höheren,
um-fassenderen Algebra.
Hauptvermutung 19: Differenzierung, wovon Differänzierung
den zeitigenden Aspekt mitumfaßt, produziert Differenzen,
welche als Differänzen in Sicht genommen werden können.
Hauptvermutung 20: Differenzierung bedeutet Spurenlesen in Tex-ten,
welche inmitten ihres Kontextes in Sicht genommen werden.
Hauptvermutung 21: Die Person findet in der Einigung ihrer Selbstdifferänz
zur eigenen Identität.
Korollar 1: Identität ist Differenzierung von Differenz.
Identität, insofern sie wahrgenommen wird, ist Differänzierung
der Diffe-ränz.
Korollar 2: Die Person definiert ihre eigene Identität durch
ihren subjektiven Rand.
§ 5
P-Grundsatz 1: Es gibt notwendig eine diskursive Aberration, wel-che
die Bedingung des gelingenden Diskurses ist.
P-Grundsatz 2: Die technische Bedingung des Gelingens ist die
Erschließung eines gemeinsamen Spielraums des Deutens (eines
gemeinsamen Möglichkeitsraums des Handelns), dessen Größe
durch das Maß der Aberration bestimmt wird.
§
6
Hauptvermutung 22: Die menschliche-Realität existiert als
Körper und hat von diesem Körper-Bewußtsein.
Korollar 1: Sowohl auf der Bewußtseinsebene als auch auf
der praktischen Ebene der Vermittlung von Weltbezug und Selbstbe-zug
ist der Körper Ausdruck des Existierens.
Korollar 2: Die menschliche-Realität existiert auf beiden
genann-ten Ebenen als Materieform.
Korollar 3: Die reflexiven und diskursiven Aspekte der Vermitt-lung
menschlicher-Realität inmitten von Welthaftem sind selbst
Ausdruck der Materialität alles Existierens.
Hauptvermutung 23: Der Körper existiert in den zwei Hauptmodi
seiner Seinsweise: als Körper für-sich und als Körper
für-andere.
Hauptvermutung 24: Es gibt ein normatives Evolutionsprinzip der
Materie, welches sich in der praktischen Entwurfsstruktur der menschlichen-Realität
widerspiegelt.
Korollar: Deshalb gibt es auch ein proto-ethisches Äquivalent
einer Ethik. Anders gesagt: Menschliche Ethik selbst ist ein komplexer
Spezialfall jenes normativen Evolutionsprinzips.
P-Grundsatz 3: Kommunikation dient der Dekohärenz der Diskur-se.
Korollar 1 ( = P-Hauptsatz 1): Sie bewirkt daher eine Reduktion
der Diskurskomplexität.
Korollar 2 ( = P-Hauptsatz 2): Dekohärenz ist in diesem Sinne,
insofern sie Strukturen vereinfacht, Ausdruck jenes Informations-mangels,
der von vornherein die Fraglichkeit der Welt bestimmt und nach
ihrer hermeneutischen Erfassung verlangt.
P-Grundsatz 4: Dekohärenz ist ein allgemeines Evolutionsprinzip
der welthaften Materie auf der Ebene ihrer Reflexion, so wie Selbstorganisierte
Kritikalität ein allgemeines Evolutionsprinzip der welthaften
Materie auf der Ebene ihrer Aktion ist.
Korollar ( = P-Hauptsatz 3): Auf der Ebene der menschlichen-Realität
spiegelt sich dieser Zusammenhang gleichfalls in einem charakteristischen
Verhältnis von Reflexion und Aktion wider.
§ 7
P-Grundsatz 5: Die Dekohärenz der als entfernende Totalität
exis-tierenden menschlichen-Realität ist der Raum.
Korollar ( = P-Hauptsatz 4): Der Raum ist Ausdruck der Differen-zierung
von Entfernungen.
P-Grundsatz 6: Die Dekohärenz der als Selbstdistanz verfaßten
menschlichen-Realität ist die Zeit.
Korollar ( = P-Hauptsatz 5): Die Zeit ist Ausdruck der Differenzie-rung
von Selbstdistanz.
P-Grundsatz 7: Die Dekohärenz des von der menschlichen-Realität
in Sicht genommenen praktischen Feldes ist die Menge der lokali-sierbaren,
materiellen Objekte.
Korollar 1 ( = P-Hauptsatz 6): Materielle Objekte als lokalisierbare
versorgen die raumzeitliche Wahrnehmungskapazität mit dem
not-wendigen Kontrast, der insofern selbst als Differenzierung
von Differenzen aufgefaßt werden kann, welche den Grund für
den menschlichen Modus der Differänzierung der Differänzen
bereit-stellt.
Korollar 2 ( = P-Hauptsatz 7): Die der menschlichen-Realität
in-trinsischen Möglichkeiten des Dekohärierens definieren
ihre Wahr-nehmungskapazität. Diese ist selbst von vornherein
raumzeitlich verfaßt.
Korollar 3 ( = P-Hauptsatz 8): Der Mensch ist wesentlich (im phy-sikalischen
Sinne) klassisch verfaßt.
Korollar 4 ( = P-Hauptsatz 9): Die Insichtnahme des raumzeitli-chen
Kontrastes beginnt bereits im eigenen Existieren der mensch-lichen-Realität
als Körper. Dieser ist insofern die erste Abbildung von Dekohärenz.
§ 8
P-Grundsatz 8: Die menschliche Geschichte der Natur erweist sich
als Geschichte der menschlichen Natur, welche wesentlich Aus-druck
der Rückwirkung des Produktes auf die Produzentin ist.
Korollar ( = P-Hauptsatz 10): Die gesellschaftliche Form
der Rückwirkung
auf die Natur, im Rahmen der gesellschaftlich er-zeugten Kategorien,
entäußert sich in einem gesellschaftlich produ-zierten
(Wechselwirkungs-) Überschuß, welcher der praktischen
Naturerweiterung dient und Arbeit genannt wird.
P-Grundsatz 9: Arbeit bewirkt Energieverteilung und Energietrans-formation
innerhalb vorfindlicher Netzwerke der Differenzierung.
Korollar ( = P-Hauptsatz 11): Arbeit und Energie sind identisch.
P-Grundsatz 10 (Moscovici): Materie ist im Arbeitsvollzug der
Stoff der von ihr vorgezeichneten Kunst als Matrix.
P-Grundsatz 11: Gesellschaft ist Form der Natur und insofern Ma-terieform.
Korollar ( = P-Hauptsatz 12): Denken ist Materieform auf der mik-roskopischen
Ebene der Person, so wie Handlungsvollzüge ver-schiedene Materieform
auf der lokal makroskopischen Ebene der Gruppen sind. Gesellschaft
als Einigung der Klassen und Gruppen ist dagegen Materieform auf
der global makroskopischen Ebene der Kollektive, sowohl im Modus
des Denkens, als auch im Modus der Handlungsvollzüge.
§ 9
Phänomenologische Hauptsätze
P-Hauptsatz 13: Die menschliche-Realität/Person kann nicht
an-ders als auf ethno-soziologische Weise praktisch erfaßt
und erhellt werden.
Korollar 1: Das Ziel dieser Erfassung und Erhellung kann nur die
Offenlegung der „wilden Logik“ inmitten des Vertrauten
sein.
Korollar 2: Vor allem ist es die „wilde Logik“ des
Ressentiments, begründet in der Stratifizierung der Gesellschaft
in Klassen und Gruppen, welche in den sozialen Beziehungen die „düstere
Wahr-heit“ hervortreten läßt, die das Elend der
Welt bestimmt.
P-Hauptsatz 14: Die sozialisierte Subjektivität im Geflecht
der dauerhaften Dispositionen, das ist der Habitus.
Korollar 1: Der Habitus, als Prinzip der Wahrnehmung und Aner-kennung,
systematisiert Praxisformen.
Korollar 2: Der Habitus wirkt als rekursiver Operator auf die
sozia-le Welt.
P-Hauptsatz 15: Das was der Habitus in Sicht nimmt, ist das Spiel-Feld
der sozialen Praxis.
§
10
P-Hauptsatz 16 ( = Korollar 1 (P-Grundsatz 3)): Kommunikation
bewirkt Reduktion der Diskurskomplexität.
P-Hauptsatz 17 ( = Korollar 2 (P-Grundsatz 3)): Dekohärenz
[als allgemeines Evolutionsprinzip] ist Ausdruck von Informations-mangel.
Korollar: Der Informationsmangel ist unmittelbare Folge der Ent-ropie
des sozialen Systems.
P-Hauptsatz 18: Das durch den Informationsmangel Unausgefüllte
des Bedeutens von vorfindlichem Welthaften wird durch das ausge-füllt,
was durch die Poetik des Bedeutens bestimmt ist.
Korollar 1: Hinsichtlich ihres strategischen Inventars und ihres
Kontextes ist diese Poetik auf drei verschiedenen Ebenen angesie-delt,
welche die hierarchische Organisation des Spektrums der Be-deutungen
widerspiegeln: auf der mikroskopischen Ebene der Per-son als Singularität
des sozialen Feldes, auf der lokal makroskopi-schen Ebene der sozialen
Gruppe und auf der global makroskopi-schen Ebene des Kollektivs.
Korollar 2: Das Verfehlen der Diskurse spiegelt auf diesen drei
Ebenen die hierarchische Struktur der Dekohärenz von Welthaftem
wider. Insbesondere ist Kontrafinalität die Dekohärenz
auf der E-bene des Kollektivs.
Korollar 3: Die Übergänge zwischen den Ebenen sind konstitutiv
und gehorchen insofern den Gesetzen der spontanen Strukturbil-dung
(Innovation). Sie stellen eine Symmetriebrechung des sozia-len
Raums dar.
P-Hauptsatz 19: Die Stratifizierung des gesellschaftlichen Kollek-tivs
bewirkt eine explizite Alteritätsstruktur der Strata und begrün-det
in ihnen eine wilde Logik des Ressentiments.
Korollar 1: Die wilde Logik des Ressentiments produziert Außen-seiter
des Stratums (oder des Kollektivs) als Gegenbild des Stra-tums
(des Kollektivs).
Korollar 2: Dieser Produktionsprozeß wird durch Gerüchte
ange-trieben, deren Struktur die auf dem Wege zu ihrer Aktualisierung
befindliche Serie bestimmt und deren Wahrheit durch Ansteckung
verbreitet wird.
Korollar 3: Es gilt, die praktische Logik inmitten der wilden
aufzu-finden.
§ 11
P-Hauptsatz 20: Die öffentlichen Entäußerungsformen
des Kollek-tivs (Überlieferungen, Sitten, Rituale, Werke)
sind Dekohärenzope-ratoren, die auf Welthaftes wirken und
dessen Erfassung dienen.
Korollar 1: Als Operatoren sind sie komplexe Superpositionen sin-gulärer
Differänzierungen, welche von jenen Personen permanent vorgenommen
werden, die das Kollektiv konstituieren.
Korollar 2: Die Überlieferung der systematischen Form (Beispiel:
Genealogie) ist die raumzeitliche Dekohärenz der Beziehungsver-hältnisse.
Korollar 3: Die Sitte (der Geschmack) ist die raumzeitliche Deko-härenz
der Verhaltensweisen im Bezug auf die Überlieferung.
Korollar 4: Das Ritual ist die raumzeitliche Dekohärenz der
Rah-menkategorien als Distinktion von Distinktivem nach Maßgabe
der Verhaltensweisen und der Überlieferung.
Korollar 5: Das Werk ist die raumzeitliche Dekohärenz des
ganzen Kollektivs als Anderes der Distinktion von Distinktivem
nach Maßgabe der Verhaltensweisen und der Überlieferung.
Korollar 6: Dekohärenzoperatoren bilden die physische Ordnung
auf die symbolische ab.
P-Hauptsatz 21: Erforschen heißt das Erfassen selbst erfassen,
während es vollzogen wird.
Korollar: Modellierung der Welt ist statische Abbildung des Er-forschten
auf die symbolische Ordnung.
§ 12
P-Hauptsatz 22: In den hermetischen Abgründen des Grundes
gibt es vom Geist.
Korollar: Somit ist im Grunde alles wißbar, also das Ganze
bis auf Eines, und das Gespenstige ist das mehr als Eine, es ist
fundamen-tale Inkonsistenz und epistemische Zumutung zugleich.
P-Hauptsatz 23: Mit den Rahmenbedingungen des Wissens muß gerechnet
werden; sie müssen im Eingedenken des Gespenstigen als immanente
Hantologie akzeptiert werden.
Korollar 1: In dem Maße, wie der selbst abgründige
Grund in allem lauert, ist er auch Quelle der Poesie.
Korollar 2: Die bereinigte und daher adäquate Reflexion ist
mithin im Kern poetisch verfaßt.
Korollar 3: Eine angemessene Poetik im Kern dieser Reflexion wird
durch die kataleptische Phantasie produziert.
P-Hauptsatz 24 ( = Korollar (P-Grundsatz 4): Im Verhältnis
von Reflexion und Aktion spiegelt sich das Verhältnis von
Dekohärenz und Selbstorganisierter Kritikalität wider.
P-Hauptsatz 25 ( = Korollar (P-Grundsatz 5): Die Differenzierung
von Entfernung ist der Raum als dekohärenter.
P-Hauptsatz 26 ( = Korollar (P-Grundsatz 6): Die Differenzierung
von Selbstdistanz ist die Zeit als dekohärente.
P-Hauptsatz 27 ( = Korollar 1 (P-Grundsatz 7): Materielle Objekte
sind Raum-Zeit-Kontrast.
P-Hauptsatz 28 ( = Korollar 2 (P-Grundsatz 7): Die Wahrneh-mungskapazität
ist raumzeitlich verfaßt.
P-Hauptsatz 29 ( = Korollar 3 (P-Grundsatz 7): Der Mensch ist
klassisch (im Sinne der Physik) verfaßt.
P-Hauptsatz 30 ( = Korollar 4 (P-Grundsatz 7): Für den Menschen
ist sein Körper die erste Repräsentation seiner klassisch-physikalischen
Verfaßtheit.
§ 22
Oberste Grundsätze oder Axiome der Naturphilosophie
(nach Schelling)
1. Die ganze Natur ist die unendliche Substanz selbst. Nach dem
zuvor Ausführten kann diese Aussage uneingeschränkt erhalten
bleiben.
2. Die Natur ist in jedem Ding als bewußtlos schaffende
(mehr Organ der Idee, denn als diese selbst). Nach dem zuvor Ausge-führten
kann diese Aussage uneingeschränkt erhalten bleiben.
3. Die Dinge der Natur verhalten sich zu dieser, wie Dinge über-haupt
zum Absoluten. Auch diese Aussage kann erhalten blei-ben. Leider
besagt sie gar nichts. Denn dieser Satz ist ja eigent-lich schon
unmittelbare Folge des unter Nr. 1 Gesagten.
4. In jeglichem Ding ist das Wesen der Natur enthalten. Auch das
ergibt sich unmittelbar aus dem zuvor Ausgeführten.
5. Die Dinge sind in Realität versunken; ihre wahres Wesen
ist durch Nr. 2 bestimmt. Diese Aussage kann nach dem Ausge-führten
nicht gestützt werden, insofern Wesen hier mit Existenz im
Grunde zusammenfällt und darüber hinaus dieser Umstand
keine Wahrheit etabliert, insofern er ja nur aus modaler Sicht überhaupt
ausgedrückt werden kann.
6. Inwiefern die Dinge die absolute Identität nicht in sich
aufneh-men, so daß sie sich selbst die Substanz sind, erscheint
jene als ihr Grund. Diese Aussage kann erhalten bleiben. Weil aber
die Bedingung im ersten Halbsatz entfällt, weil in unserer
Diktion Dinge nicht Substanz sein können, verbleibt tatsächlich
nur der zweite Halbsatz.
7. Die Dinge in der Natur sind der Substanz nach identisch. Das
bleibt.
8. Die Dinge sind auch innerlich miteinander verknüpft (und
in-teragieren nicht nur äußerlich). Das ist eine Folge
(u.a.) von Nr. 7 und kann beibehalten werden.
9. In der Natur besteht ein gleiches Verhältnis zwischen
Affirmie-rendem und Affirmiertem wie zwischen Positivem und Negati-vem.
Dieser Satz kann beibehalten werden, falls „Affirmieren-des/Affirmiertes“ durch „Negierendes/Negiertes“ ersetzt
wird.
10. Das Ganze bleibt sich gleich im Wechsel. Weil der letztere
für uns ohnehin nur modale Folge der Insichtnahme ist und
das Ganze daher gar keinem Wechsel unterliegt, bleibt diese Aus-sage
erhalten.
11. Der Teil ist dem Ganzen gleich (nicht nur per Substanz, son-dern
auch per Modifikation). Mit Blick auf die Substanz ist die Aussage
trivial, weil dann ohnehin nicht zwischen Teil und Ganzem differenziert
werden kann. Mit Blick auf die Modifika-tion gilt sie nur, wenn
zwischen der makroskopischen Ebene des Feldes und der mikroskopischen
Ebene der Singularität dif-ferenziert wird. Wir würden
lieber sagen: Das Ganze spiegelt sich im Teil wider, wie auch umgekehrt
der Teil im Ganzen.
12. Alles in der Natur gehört zum Sein und zur Idee der unendli-chen
Substanz. Das ist eine unmittelbare Folge der Nr. 1 und ergibt
sich zudem auf anderen Wegen als Korollar der allge-mein gewählten
Diktion.
Hauptpunkte zu einem heutigen Naturbegriff
1. Aus ursprünglicher, vorweltlicher Einheit entwickelt sich
wer-dende Vielfalt des Welthaften. Diese Aussage bezieht sich of-fensichtlich
auf die epistemische Insichtnahme und harmoniert mit der Nr. 2
der Schellingschen Liste. Die Produkte der Natur sind insofern
selbst produzierend. Zugleich sind sie „Organe“ der
Idee, weil sie als konkret produzierende unter der epistemi-schen
Abbildung zuallererst überhaupt erscheinen.
2. Natur gewinnt ihre explizite Historizität zurück.
Sie ist insofern prozessual verfaßt. Diese Aussage ist insofern
nicht bloß re-dundant mit Blick auf das unter Nr. 1 Ausgeführte,
weil ja nicht vornherein gesagt sein muß, daß die Prozessualität,
welche sich im Werden der Vielfalt manifestiert, explizit historisch
verfaßt ist. Das ist sie nämlich nur dann, wenn ein
im Zuge der Ent-wicklung erreichter Zustand in seiner Würdigung
(also nach Maßgabe der epistemischen Kriterien der Insichtnahme)
von der genauen Form der früher durchlaufenden Zustände
abhängt. Ein solcher Fall schließt jede Reversibilität
von Prozessen prak-tisch aus. Tatsächlich sind es vor allem
die kritischen Punkte eines Prozesses, welche dessen wesentliche
Charakteristik bestimmen. Mit Blick auf die Nr. 9, die Nr. 10 und
die Nr. 11 bei Schelling lassen sich diese Aspekte an sein Modell
an-schließen, vorausgesetzt, die Ersetzung der Affirmation
durch die Negation wird beachtet.
3. Fluktuationen sind für diesen Weltprozeß konstitutiv.
Diskonti-nuität und determiniertes Chaos dominieren Kontinuität
und Determination. Diese Aussage spiegelt wesentlich die moderne
Sichtweise der Evolution von Materie wider. Das eben über
kri-tische Punkte eines Prozesses Ausgeführte ist hier mit
umgrif-fen.
4. Somit muß der Begriff des Naturgesetzes neu gefaßt
und am besten durch ein approximatives Konzept von Tendenz ersetzt
werden. Diese Aussage bezieht sich explizit auf die Blochschen
Begriffe von Tendenz und Latenz: die erstere sich auf jenen Be-reich
prozessualer Entwicklung beziehend, der zwischen kriti-schen Punkten
eines Prozesses den stabilen Verlauf bezeichnet, die letztere sich
auf jene wesentlichen und für den gesamten Prozeßverlauf
charakterisierenden und prägenden Vorgänge richtend,
die am kritischen Punkt die Prozeßqualität durch die
Wirkung von Fluktuationen bestimmen. In Nr. 3 und Nr. 4 fol-gen
wir insofern dem Modell Prigogines (von Selbstorganisati-on und
Strukturbildung in Nichtgleichgewichts-Systemen). Bei-läufig
kann dabei eingesehen werden, daß die Prigoginesche Theorie
einer historischen Natur sich in der Hauptsache auf die epistemische
Sichtweise beschränkt. Das erklärt auch den Um-stand,
daß Prigogine den Einsteinschen Standpunkt, die Natur der
Zeit betreffend, nicht verstehen kann und daher falsch in-terpretiert.
5. Die Erforschung von Materie als Aspekt der Raum-Zeit wird zur
progressiv-regressiven Rekonstruktion von Materie als Pro-dukt
eines historischen Prozesses und als dessen Produzentin zugleich.
Die Insichtnahme selbst gebietet, den expliziten Un-terschied zwischen
dem, was sein könnte und dem, was wirk-lich geworden ist,
mit in die Methode selbst einzubauen, weil nur damit gewährleistet
werden kann, daß jene zwischen beiden Komponenten des Weges
bestehende Diskrepanz Aufschluß gibt über den Grund
des Prozesses. Dieser bei uns wesentlich der Sartreschen Theorie
entlehnte Gedanke schwebt bei Schel-ling immer schon vor und ist
in seiner Entgegensetzung von negativer und positiver Philosophie
ausführlich thematisiert.
6. Diese Selbstreferenz der Natur verweist zum einen auf ihre
Abkünftigkeit von initialer Singularität, zum anderen
auf deren Ableitungszusammenhang mit primordialer Prägeometrie
als ihren Grund. Zum einen also (hinsichtlich des letzteren) wird
der Grund erschlossen in der Diskrepanz zwischen dem Rück-gang
auf den Grund von Welthaftem und der Ableitung des Welthaften aus
dem Grunde nach Maßgabe der in Nr. 3 bespro-chenen Methode.
Zum anderen aber stellt diese offensichtliche Selbstreferenz (d.h.
also, abweichend von der Diktion analyti-scher Philosophie, daß die
Natur auf sich selbst referieren muß, um sich selbst aufzufalten)
einen Verweis auf eine Inkompatibi-lität zwischen dem ontologisch
fundierten Prozeß und seiner e-pistemischen Erfassung dar.
In diesem Sinne ist der Anfang der Welt einer, der als Singularität
erscheint (mit allen methodi-schen Problemen ihrer Beschreibung),
einfach, weil es diesen Anfang im ontologischen Sinne gar nicht
gibt, sondern weil er nur im Zuge der Insichtnahme als solcher
erscheint.
7. Materie als prozessual verfaßte gewinnt somit an eigener
Ent-wurfsstruktur und kann als Selbstdifferenzierung ihres Grundes
aufgefaßt werden. Ihre Potentialität bestimmt die Produktivität
und spiegelt dabei das substantielle Feld der Möglichkeiten
wi-der. Alle Begriffe hier müssen von der epistemischen Ebene
auf die ontologische übertragen werden, indem die Dynamik
durch Statik ersetzt wird, freilich durch eine Statik, die selber
schon fluktuierend verfaßt ist, also unbestimmt. Selbstdifferenzierung
des Grundes bedeutet insofern nichts anderes als die Freilegung
der Tiefenschichtung substantieller Gliederung. Freilegung in diesem
Sinne ist nichts weiter als Selbst-Repräsentation. Poten-tial
und Produktivität beziehen sich allein auf die in Sicht ge-nommene
Erscheinungsweise von Welthaftem, auch sie sind aber, ontologisch
gesehen, nichts anderes als ein Maß primordi-aler Komplexität.
8. Primordiale Einheit setzt prima materia aus sich frei als deter-miniertes
Chaos. Diese drückt sich in Raum-Zeit-Materie aus und tendiert
zu finaler Einheit hin, der ultima materia als sto-chastisches
Chaos. Diese Aussage beschreibt lediglich An-fangs- und Endpunkt
einer Auffaltung kosmischer Evolution, wie sie epistemisch in Sicht
genommen werden kann. Freilich ist das ein maximaler Rahmen für
Insichtnahmen überhaupt, in-sofern es nicht die Menschen sein
werden, welche auch nur ei-nen in irgendeinem Sinne beträchtlichen
Anteil dieser Entwick-lung in Sicht nehmen werden, denn sie sind
nur ein transitori-sches Produkt des Ganzen (also substantiell
gesehen, eine ver-gleichsweise „dünne“ Schicht).
9. Die Rahmenbedingungen für den Grundentwurf der Materie,
ein nunmehr welthaftes Feld der Möglichkeiten aufspannend,
spiegeln sich im System / anthropischer Invarianten wider. In-sofern
gewinnt die Auffaltung des Universums an transzenden-talem Charakter.
An dieser Stelle können die Rahmenbedin-gungen selbst, die
ja im Vorliegenden gerade thematisiert wer-den –insofern
referiert auch der aufgelistete Rahmen auf sich selbst – quantitativ
erfaßt werden, im Unterschied zu dem, was noch Spinoza, Schelling
oder Bloch hätten vorschlagen können. Auf diesen Aspekt
werden wir später noch eingehen, wenn wir die anthropischen
Invarianten definieren.
10. Natur ist somit kein bloßer Behälter von Prozessen
mehr, die der Mensch als externer Beobachter kontrollieren könnte:
Es besteht vielmehr eine wechselseitige Immanenz und Transzen-denz
von Beobachtetem (Bedeutetem) und Beobachtendem (Bedeutendem).
Die Nr. 9 wie auch die Nr. 11 bei Schelling dürften auf der
Linie des hier Gesagten liegen. Auch das Wech-selverhältnis
von idealem und realem All läßt sich unter dem hier
geäußerten Aspekt erfassen, freilich in veränderter
Termi-nologie.
§ 25
Erste Prinzipien und Korollare
Prinzip 1: Philosophie ist in ihrem Kern ultima philosophia und
in diesem Sinne eine der einzelwissenschaftlichen Forschung nach-gängige
kritische Insichtnahme von Welthaftem, auf eine konzep-tuelle Fundamentalheuristik
dieses Welthaften und seines Grundes ausgreifend.
Korollar ( = Systematische Hauptvermutung) 1: Die Welt ist modal
gesehen, Ganzheit und Einheit, und sie gründet sich zudem
auf Einheit.
Korollar ( = Systematische Hauptvermutung) 2: Als gewordene Vielfalt
ist die Welt somit Differenzierung des eigenen Grundes und referiert
insofern im Zuge ihrer eigenen Auffaltung permanent auf sich selbst.
Korollar ( = Systematische Hauptvermutung) 3: Das Substrat des
Welthaften ist selbst einheitlich verfaßt.
Prinzip 1a: Es gilt stets der Grundsatz von der Denklinienkonsis-tenz.
Prinzip 2: Um Welthaftes zureichend begründen zu können,
muß es auf progressiv-regressive Weise rekonstruiert werden.
(Klymene-Prinzip)
§ 26
Prinzip 1b: Es gilt das kosmologische Prinzip der Physik.
Axiomatische Grundsätze
A-Grundsatz 1 ( = Korollar zum Prinzip 1): Die Existenz von Men-schen
im Universum gehorcht dem Prinzip der raumzeitlichen Me-diokrität.
A-Grundsatz 2 ( = Korollar zum Prinzip 2): Die Existenz des Uni-versums
gehorcht dem Prinzip der Weltschaft (worldscape).
Zwischenzeitliche Schlußfolgerungen
1. Es gibt eine logisch notwendige Depotenzierung menschlichen
Denkens, die auf wesentliche ethische Konsequenzen der eige-nen
Positionierung (der Menschen inmitten des Universums als ihrer
Lebenswelt) verweist.
2. Es gibt zugleich wesentliche Implikationen für einen angemes-senen
Naturbegriff, der im Gegenzug zu einer Potenzierung der Natur führt
und auf zwei Hauptaspekte verweist:
a) Produktivität der Natur erscheint als deren Subjektivität
mit einer intrinsischen Projektstruktur unter dem Aspekt der modalen
Evolution.
b) Es gibt eine Immanenz der Faktizität. Das heißt,
es kann inmitten der Welt, die selbst vollständig Naturprodukt
ist, nichts „Unnatürliches“ geben. Es gibt in
diesem Sinne auch nichts, das im Grundsatz als anderes zu fordern
wäre.
3. Unter binnenphilosophischen Aspekten gibt es eine Rückkehr
zu moderner Substanz-Metaphysik, welche sich in Gestalt eines transzendentalen
Materialismus ausdrückt. Wegen des Prinzips 1 erweist sich
Substanz wesentlich als Prä-Geometrie.
4. Insofern die Ethik wieder in den klassischen Implikationszu-sammenhang
Physik/Logik/Ethik eingeholt wird, gewinnt die in der Hauptsache
auf Physik abzielende Grundlegung einer Er-fassung von Welthaftem
einen universellen Ausgriff auf alle regionalen Kategorien des
Denkens.
§ 27
Sechs Stufen der initialen Emergenz
1) Quantencomputation (entangled)
2) Quantencomputation (disentangled)
3) Quanten-deformierte Spin-Netzwerke
4) Semi-klassische Spin-Netzwerke
5) Knoten
6) Klassizität
§
29
Weitere axiomatische Grundsätze
A-Grundsatz 3: Es gilt das Prinzip der Superselektion (der kosmi-schen
Selektion) als Grund der expliziten Dynamik des Universums und
seiner feinstrukturierten Verfaßtheit.
Korollar 1 (A-Hauptsatz 1): Das Prinzip der Superselektion bedingt
notwendig die Existenz eines „kosmischen Mediators“.
Korollar 2 (A-Hauptsatz 2): Das Prinzip der Superselektion bedingt
notwendig die Existenz einer expliziten Korrespondenz zwischen
Phänotyp und Genotyp.
§ 30
A-Grundsatz 4: Das Welthaftes durchwirkende Prinzip hat seinen
Ursprung im Vorweltlichen und ist Ausdruck eines welthaften An-fangs.
Korollar 1 (A-Hauptsatz 3): Mithin begründet das Prinzip
die dy-namische Verfaßtheit von Welthaftem.
Korollar 2 (A-Hauptsatz 4): Mithin begründet das Prinzip
eine e-thische Normativität des Welthaften.
§ 32
A-Grundsatz 5: Die Satzstruktur der Wirkaussagen für die
Operato-ren Evol und Emerg ist mit der Satzstruktur einer Kategorienlehre
des Noch-nicht im Sinne Blochs isomorph.
Korollar 1 ( = A-Hauptsatz 5): Das Identitätstheorem Spinozas
(2p7) läßt sich in der modernen Sprache der mathematischen
Kate-gorientheorie durch die Existenz eines Funktors ausdrücken,
der wesentlich Inklusionsoperation von Kategorien ist.
Korollar 2 ( = A-Hauptsatz 6): Die den Operatoren Evol und E-merg
zugrundeliegenden Negatoren lassen sich auf mikroskopi-scher wie
makroskopischer Ebene durch Kategorienaktionen auf sich selbst
ausdrücken.
Korollar 3 ( = A-Hauptsatz 7): Die Blochsche Figur S ? P, selbst
auf eine Poetik der objektiven Phantasie ausgreifend, ist die Meta-pher
jener Dynamik, welche die mathematische Kategorientheorie formal
abbildet.
§ 33
Axiomatische Hauptsätze
A-Hauptsatz 8: Das Drängen der zeitlichen Instanz ist wie
das Drängen des Blickes oder des Buchstabens eines.
Korollar 1: Die suspendierenden Skandierungen sind Ausdruck der
Strukturbildung zeitlicher Instanz.
Korollar 2: Die Zeiten des Stockens, als Ausdruck jener suspendie-renden
Skandierungen, transformieren kombinatorische (quasi-räumliche)
Strukturen in Zeiten der Möglichkeit. Sie dienen mithin der
Erschließung des Feldes welthaften Überganges. Gemeint
ist hier der Übergang vom Nichtsein zum Sein, von Möglichkeit
zu Wirklichkeit.
Korollar 3: Auf diese Weise geht Logik aus Physik hervor, als
ihr Produkt. Zugleich wird Physik von Logik modelliert, in einer
Be-wegung der Rückwendung auf sich. Aber die intrinsische
Distanz, welche das Produkt sein Produzierendes um den Abstand
des Mo-dells zu dem was das Modell modelliert verfehlen läßt,
läßt eine interpretatorische Lücke des Ganzen unbesetzt.
Sie begründet mit-hin die Notwendigkeit der Hermeneutik.
§
34
A-Hauptsatz 9: Jeder welthafte Zeichenprozeß ist schwach
polylo-gisch verfaßt.
Korollar 1: Mithin ist jedes welthafte System kommunikativ ver-faßt.
Korollar 2: Das Selbstprozessieren von Information auf der funda-mentalen
Ebene wird durch welthafte Zeichenprozesse konkret repräsentiert.
Korollar 3: Zeichenprozesse sind mithin auch rational verfaßt.
Korollar 4: Die Rationalität der Zeichenprozesse begründet
ihre epistemisch kritische Potenz.
Korollar 5: Rationale Verfaßtheit, welche die Möglichkeit
für Kri-tik impliziert, kann mithin auch die Möglichkeit
ethischer Norma-tivität implizieren.
A-Hauptsatz 10: Logoi (im Sinne Thoms) sichern die symbolische
Stabilität der Konzepte und Konflikte inmitten welthafter
Zeichen-prozesse.
Korollar 1: Prä-Kategorien (im Sinne Piagets) sind Kataloge
von Logoi.
Korollar 2: Kategorien sind Kataloge von Topoi.
Korollar 3: Logoi sind erste Formalisierungen von Chreoden (im
Sinne Thoms).
Korollar 4: Topoi sind abgeklärte Realisierungen von Chreoden.
Korollar 5: Interaktion wird in der Topologie des Wechselwir-kungsraumes
abgebildet und als Geometrisierung wie auch Meta-phorisierung zum
Ausdruck gebracht.
A-Hauptsatz 11: Kultur ist die Menge der Ausdrücke von Kommu-nikation
in einem System von Zeichenprozessen.
Korollar 1: Menschliche Werke sind epistemologische Metaphern
der Kultur.
Korollar 2: Semiotik ist die Wissenschaft von der Transformation
der Zeichenprozesse.
A-Hauptsatz 12: Bedeutung ist Struktur von Information.
Korollar 1: Das Verhältnis von Text und Kon-Text als Vermitt-lungszusammenhang
von konkreten Bedeutungsträgern ist immer wesentlich Entstellung.
Korollar 2: Ideologie ist kontextuelle Bewertung von Beschaffen-heit
gemäß des angeeigneten Codes.
§ 35
A-Hauptsatz 13: Das Modell Q ist das semiotische Äquivalent
zur Diffeomorphismeninvarianz der mathematischen Physik.
Korollar: Die Auswahl der Pfade im Netzwerk des Modells Q ist
nichts weiter als eine Übersetzung eines Begriffes (einer
Propositi-on) in einen anderen (in eine andere).
A-Hauptsatz 14: Die Pfadunabhängigkeit (Pfadabhängigkeit)
von Kompositionen von Übersetzungen verweist auf Logik (Hermeneu-tik).
Korollar: Hermeneutik ist Logik bei unvollständiger Information.
A-Hauptsatz 15: Der Wahrheitswert einer Proposition hängt
von der Wahl der verbindlichen Logik ab.
Korollar: Mithin ist auch Wahrheit immer nur ein kontextueller
Begriff.
§ 36
A-Hauptsatz 16 [Trifonov]: Wenn das Paradigma rational ist und
der Topos aller möglichen Aktionen Boolesch (nicht-Boolesch),
dann ist das Paradigma auch klassisch (nicht-klassisch).
Korollar 1: Ein rationales Paradigma impliziert, daß die
Aktionen durch Homomorphismen abgebildet werden können.
Korollar 2: Die Menge der Übersetzungen zwischen Propositionen
im Paradigma bildet eine Architektur.
Korollar 3: Im Falle eines nicht-rationalen Paradigmas gibt es
mit-hin keine Architektur, und die Konsistenz der Übersetzungen
ist aufgehoben. Gleichwohl bleibt immer noch der logische Kern
der Abbildungen erhalten, insofern nicht nur der unterliegende
Zei-chenprozeß (wie alle Zeichenprozesse) selbst rational
verfaßt ist (wir verweisen hierzu auf die Erörterungen über
das Verhältnis von Quanteninformation zu klassischer Information),
sondern die von ihm induzierten Abbildungen auch immer Morphismen
bleiben, also strukturerhaltend, wenn auch nicht mehr Homomorphismen.
A-Hauptsatz 17: Im Alltagsdiskurs wie im poetischen Diskurs ist
die Monoidstruktur der Übersetzungsabbildungen aufgegeben.
Korollar 1: Das Verhältnis von rationalem zu nicht-rationalem
Pa-radigma entspricht dem Verhältnis der epistémé zur
doxa.
Korollar 2: Die epistemische Zumutung der interpretatorischen
Lücke inmitten von selbstreferent verfaßtem Welthaften äußert
sich im Grunde in einer immanenten Inkonsistenz des Ganzen.
Korollar 3: Die objektiv-reale Hermeneutik Blochs kann die e-pistemische
Zumutung mindern helfen, wenn sich die Deutung an den Chiffren
der Natur orientiert und deren Bedeutung immer schon in Rechnung
stellt. Insofern erscheint sie als theoretisches Komplement zur
praktischen Allianztechnik.
A-Hauptsatz 18: Sozialdialektik erweist sich als Spezialfall der
Naturdialektik.
A-Hauptsatz 19: Ethik ist im Grunde Wissen.
A-Hauptsatz 20: Die explizite Vermittlung zwischen formaler und
Gestalt-Sprache geschieht an der Schnittfläche von Logik und
Hermeneutik und entspringt selbst der Mathematik.
Korollar 1: Naturhermeneutik erscheint als universalisierte Metho-de
der Konzeptualisierung und steht insofern der objektiv-realen Hermeneutik
Blochs nahe.
Korollar 2: Jede Methode der Kontextualisierung aber ist immer
Kontext-Chirurgie, weil die Auswahl der relevanten Versatzstücke
aus dem vorfindlichen Kontext nicht selbst wieder nach vorgege-benen
Regeln vorgenommen werden kann. Auch der Kontext be-sitzt seinen
Kontext.
§ 38
A-Hauptsatz 21: Der Physik liegt ein lokaler Feldbegriff zu Grun-de,
welcher alle wesentlichen onto-epistemischen Implikationen der
Dekohärenz immer schon mitumschließt.
Korollar 1 (Wellenbild): Der in der Theorie implizite Dualismus
zwischen Teilchen und Welle ist nichts weiter als eine Repräsenta-tion
dessen, was mit der Grundannahme der Feldlokalität ausgesagt
wird.
Korollar 2 (Variationsprinzip): Wegen des bisher Ausgeführten
erhält der kanonische Formalismus der Quantentheorie stets
das grundlegende Variationsprinzip in der Gestalt
?S = ? ? L dt = 0.
Wir kommen hierauf noch genauer und werden dann sehen, daß dieses
Korollar unmittelbar aus dem übrigen Gesagten folgt.
Korollar 3 (Relativität): Die relativistische Formulierung
der Feld-theorie ergibt sich unmittelbar aus dem Problem der Propagation.
Das heißt, im Grunde ist sie ein Folgeresultat des Bewegungskon-zeptes,
wenn man sich ersteinmal auf die Existenz einer endlichen maximalen
Transportgeschwindigkeit für die Übertragung von Wechselwirkungen
geeinigt hat.
Korollar 4 (Feldgesetze): Es ist dann nichts weiter als konsequent,
die Gesetze des Feldes durch die Feldgleichungen im engeren Sin-ne
(die Dynamik ausdrückend) und die Bewegungsgleichungen (die
Kinematik ausdrückend) zu formulieren.
§
40
A-Hauptsatz 22 (Eddington): Die Naturgesetze sind stets subjektiv
und werden gemäß der menschlichen Wahrnehmung konstruiert.
A-Hauptsatz 23: Die Plancksche Ebene der Maßeinheiten definiert
den Rand der Welt. (Man vergleiche auch § 13 hierzu.)
A-Hauptsatz 24 (Campbell): Jede (analytische) n-dimensionale Riemannsche
Mannigfaltigkeit kann lokal in eine (n + 1)-dimensionale Riemannsche
Mannigfaltigkeit eingebettet werden, die Ricci-flach ist.
Korollar 1: Aus der Sicht der onto-epistemisch verfaßten
Modellie-rung wird – den Prinzipien der lokalen Feldtheorien
gemäß – die Welt stets als „glatte“ Raumzeit
vorgestellt, die in einen höheren Raum eingebettet ist. Das
Verhältnis zwischen diesen beiden wird nach Maßgabe
des Paralleltransportes (also dem Konzept der kon-tinuierlichen
Bewegung nachfolgend) bestimmt. (Man sehe hierzu auch weiter unten
die Ausführungen zur Loop Quantum Gravity, § 42.)
Korollar 2: Mithin stellt sich jede dimensionale Theorie (zum
Bei-spiel eine vom String-Typ) als epistemisch korrekte dar, insofern
die Dimensionalität der Anschauung des menschlichen Denkens
im Sinne der klassischen Wahrnehmungskapazität (modaliter)
ent-spricht. Jede nicht-dimensionale Alternative hierzu (zum Beispiel
eine Theorie vom Loop-Typ) ist dagegen ontologisch korrekt, inso-fern
jene Dimensionalität realiter abwesend ist.
§ 41
A-Hauptsatz 25: Transzendenz und Immanenz sind auf komple-mentäre
Weise miteinander vermittelt. (Vergleiche hierzu auch die §§ 13,
15.)
Korollar: Mithin tendiert jede Begründungsmethodik zu einem
konzeptuellen „Eindringen“ in die Substanz, namentlich
in Gestalt der mathematischen Abstraktion, wie sie im Rahmen der
Theoreti-schen Physik vollzogen wird. Der Vorgang dieses „Eindringens“ entspricht
dabei in der Hauptsache der Rückprojektion welthaften Wissens.
A-Hauptsatz 26 (Einstein): Es gilt das Prinzip der Diffeomorphis-men-Invarianz.
Korollar: Diffeomorphismen-Invarianz ist der formale Ausdruck
der welthaften Multiperspektivität.
§ 45
A-Hauptsatz 27: Der Grund des Welthaften erweist sich auf seiner
Randoberfläche als ein Quantencomputer, bei dem software und
hardware ineinsfallen.
Korollar 1: Insofern erscheinen Spin-Netzwerke als aktives Inter-face
zwischen dem Welthaften und seinem Grund.
Korollar 2: Dieses Interface ist mithin in sich selbst prozessual
verfaßt und folgt einer eigenen Computerlogik, die nicht
notwendig eine Boolesche Logik ist.
A-Hauptsatz 28: Die Physik zerfällt daher systematisch in
zwei durch einen methodischen Rand, welcher das interpretative Äqui-valent
des oben genannten Interfaces ist, getrennte Regionen, in eine
empirische, die der experimentellen Erfassung zugänglich ist,
und in eine fundamentale, die einer solchen Erfassung grundsätz-lich
nicht zugänglich ist.
Korollar 1: Die Physik, insofern sie empirisch ist, entspricht
der skeptischen Philosophie. Die Physik, insofern sie fundamental
ist, entspricht der spekulativen Philosophie.
Korollar 2: Mithin beziehen sich naturwissenschaftliche Theorien
nicht ausschließlich auf beobachtbare Größen.
A-Hauptsatz 29: Die Kausation-abwärts wird wesentlich durch
den Zusammenhang zwischen den speziellen Gruppen vom SO-, SU- und
SL-Typ bestimmt.
Korollar 1: Die Produktion von Welthaftem kann mithin als ein
Prozessieren von Information aufgefaßt werden, aus dem eigenen
Grund heraus. Des letzteren Bewegungszustand (und deshalb der Anlaß zu
dieser Produktion) ist selbst nicht als klassische Bewe-gung faßbar,
sondern entspricht einem intrinsischen Schwingungs-modus des unterliegenden
Spin-Netzwerkes.
Korollar 2: Die Fluktuationen bzw. Vibrationszustände des
Spin-Netzwerkes bilden unmittelbar seine Zustände ab. Sie
können nach dem zuvor Ausgeführten Bewegung an sich genannt
werden.
A-Hauptsatz 30: Die Kausation-aufwärts wird durch die Verkno-tung
der fundamentalen Schleifen im Spin-Netzwerk bestimmt.
Korollar: Die weitere, hierarchische Auffaltung der Fundamental-strukturen
von Welthaftem geschieht über die progressive Vermitt-lung
der einzelnen Hierarchieebenen nach Maßgabe ihrer spezifi-schen
Komplexität.
A-Hauptsatz 31: Die TQFT, insofern sie sich als ein Funktor er-weist,
welcher die Kategorie der n-Cobordismen auf die Kategorie der Hilberträume
abbildet, ist selbst explizit onto-epistemisch ver-faßt.
Korollar: Mithin erweist sich die TQFT als mathematisches Äqui-valent
des Identitätstheorems von Spinoza (Ethik 2p7).
A-Hauptsatz 32 (Penrose): Der makroskopische Winkel zwischen prinzipalen
Hauptrichtungen im Raum kann durch eine Wahr-scheinlichkeit für
Spinzahlen eines Spin-Netzwerkes approximiert werden. (Spin-Geometrie-Theorem)
Korollar 1: Das Spin-Geometrie-Theorem ist dem Design sto-chastischer
Distinktionen im Sinne von Kauffman äquivalent.
Korollar 2: Es ist somit auch der Statistik von Durchstichen des
Zeithorizontes Schwarzer Löcher durch Spin-Netzwerke im Sinne
von Ashtekar und Krasnov äquivalent.
Korollar 3: Mithin kann aus allen drei Ansätzen gleichermaßen
die Entropie (von Oberflächen) bestimmt werden, insofern diese
aus dem im Korollar 2 genannten Verfahren unmittelbar in der Gestalt
Entropie ? ln ? dim Hp
mit Hp ? ? (2 j + 1), wobei j die Durchstiche bezeichnet und über
alle j multipliziert und alle p summiert wird.
Korollar 4: Das Spin-Netzwerk trägt somit Quanten der Fläche
entlang der Kanten (edges) und Quanten des Volumens an den Knoten
(vertices). Auf der Grundlage der früheren Ausführungen
und unter Verwendung der j kann auf diese Weise die Quantisie-rung
des Raumes bewirkt werden, nämlich insofern die Oberfläche
sich als ein Wert proportional zu lp2 [j (j + 1)]1/2 und das Volumen
sich als ein Wert proportional zu lp3 [j (j + 1)]1/2 erweisen.
(Hierbei bezeichnet lp die Planck-Länge.)
§ 46
A-Hauptsatz 34 (No Free Lunch): Ko-evolutive Systeme autono-mer
Agenten produzieren natürliche Spiele und Spielpartner.
Korollar: Alle Systemalgorithmen sind äquivalent.
A-Hauptsatz 35 (S. Kauffman): Die Evolution verläuft stets
im an-grenzend Möglichen (adjacent possible). (4. Hauptsatz
der Ther-modynamik)
Korollar 1: Die Auffaltung des Universums, gesehen als Entwurf
von Welthaftem, entwickelt sich derart, daß die Systemkomplexität
maximiert wird.
Korollar 2: Die explizite Rate der Dekohärenz ist ihrerseits
Aus-druck des maximalen Wachstums des angrenzend Möglichen
und zugleich der Emergenz von Klassizität.
§ 47
A-Hauptsatz 36: Es gibt die folgenden fünf Prinzipien der
Evoluti-on von Lebensformen, die aus dem biologischen Kontext heraus
verallgemeinert und auf alle Evolutionsprozesse im Sinne der SOC
bezogen werden können:
1) Es werden Heteropolymere poduziert (Vielfalt auf dem Grund
von Komplexität).
2) Es gibt autokatalytische Selbstreplikation (kritische Prozeß-beschleunigung).
3) Replikationsfehler (Mutationen) sind Ausdruck von Zwangs-bedingungen,
die an den Informationstransport gestellt werden.
4) Kompetitive Kooperation bewirkt Feedback (Hyperzyklen hierarchisieren).
5) Kompartmentbildung und Individualität (zelluläre Struktur)
maximieren Organisationseffektivität.
Korollar 1: Die zelluläre Ebene des Universums ist die Ebene
der Galaxien.
Korollar 2: Dem Zellkern entsprechen die massiven Schwarzen Löcher
im Zentrum von Spiralgalaxien des Standardtyps. (Deren Inside-Story
bestimmt die Struktur von Kosmo-Nukleotiden.)
§
50
A-Hauptsatz 37: Die Produktion des sozialen Raums kann als eine
Verdichtung der Formalisierung des Ausdrucks selbst aufgefaßt
werden.
Korollar 1: Die Diagrammatik des Graphismus ist mithin der qua-litative
Ausdruck einer ansonsten quantitativen Geometrie, welche die menschlichen
Wahrnehmungsverhältnisse adäquat widerzu-spiegeln imstande
ist.
Korollar 2: Der in der Geometrie thematisierte und als solcher
in den Alltag tradierte Raum erweist sich somit als faktischer
Teil-raum des sozialen Raumes und wird daher im Zuge der Produktion
des letzteren mitproduziert.
A-Hauptsatz 38: Die Produktion des sozialen Raumes kann alterna-tiv
als Problem der maximalen Konnektivität zellulärer Strukturen
interpretiert werden.
Korollar 1: Insofern die oben geschilderte Maximierung den Prin-zipien
der SOC gehorcht, hat sie selbst einen emergenten Charak-ter. Das
heißt, sie schreitet in einer Kette aufeinander folgender
Innovationen fort, welche aus der je welthaften Perspektive des
Beobachters (Partizipators, Interpreten) im sozialen Raum emer-gent
sind, aus der Perspektive des Grundes freilich nur evolutiv.
Korollar 2: Die Rekursivität in der Verknotung der Netzwerkkan-ten
(oder allgemein: Linien) spiegelt die Rekursivität des sozialen
Diskurses inmitten der Diagrammatik des Graphismus auf symboli-sche
Weise wider.
Korollar 3: Die permanent prozessierte Rekursion im Zuge des sozialen
Algorithmus zur Herstellung maximaler Konnektivität reproduziert
selbst ständig von neuem ein System von Distinktio-nen. (Sie
ist im Grunde sich selbst Distinktion.) Mithin liefert sie den
prägeometrischen Rahmen, welcher zuallererst jenes zelluläre
Netzwerk aufspannt, dessen Kanten und Knoten sodann dem ange-zielten
Informationstransport dienen. Dieser perkoliert die Informa-tion über
die Netzwerkknoten, die als Fixpunkte des Prozesses den Transport
fokussieren.
A-Hauptsatz 39: Die durch den Graphismus explizit bewirkte Rep-räsentation
der Welt, welche sich auf den praktischen Handlungs-vollzug immer
schon rückbezieht, gewährleistet die Universalität
des Weltbezuges.
A-Hauptsatz 40: Es gibt daher – bei aller praktischen Heterodoxie – einen
verbindlichen Bezugsrahmen für eine Ethik mit objektiv uni-versellem
Ausgriff, deren Kernstruktur invariant ist, aber deren O-berflächenstruktur
in Abhängigkeit von der je gewählten Perspekti-vität
auf strukturell stabile Weise variieren kann.
§ 51
A-Hauptsatz 41: Formal erweist sich die Emergenz als Resultat
der permanenten Selbstkomposition als einer chaotischen Selbstabbil-dung
des Raumes auf sich, welcher die Repräsentation des Grundes
von Welthaftem darstellt.
Korollar 1: Diese Selbstkomposition impliziert eine Iterationsse-quenz
von Weltzuständen.
Korollar 2: Der Grundzustand ist dabei nicht Teil der Welt, weil
er nicht Element der Sequenz ist.
Korollar 3: Übergänge der Zustände in der Sequenz
sind Transitio-nen von Stabilität zu Instabilität zu
neuer Stabilität, die als Sand-wich-Lagen abgebildet werden
können und auf diese Weise eine Formalisierung des dialektischen
Grundgedankens gestatten. Eine Sandwich-Lage kann dabei in der
Form
E ? E* = N(E) ? E** = N2(E)
ausgedrückt werden, so daß insbesondere stets N2(E)
? E.
Korollar 4: Die Sandwich-Lage entspricht einer Taktsequenz von
Temporalität, so daß der einzelne Takt n formal als
Exponent der Komposition erscheint, was in der Form
(dE/ds)n = Nn(E)
geschrieben werden kann. Dieser Ausdruck bezeichnet den allge-meinen
Fall der Strukturbildung inmitten des Welthaften, der dem speziellen
Fall der Initialemergenz (von allem) Rechnung tragen kann, wenn
man E = W0 setzt.
Korollar 5: Die Kategorie NEG der Negatoren erweist sich als R-Xenomorph
mit Grassmannschem (wenn nicht sogar Clifford-schem) Paradigma
und hat lokal die Struktur der Kategorie End.
A-Hauptsatz 42 (Fundamentaldiagramm): Am Beispiel der TQFT orientiert,
können die hier geschilderten Zusammenhänge durch das
Fundamentaldiagramm der folgenden Form
SpinF ? nCob
? ?
Hilb ? Hilb
? ?
SpinF* ? NEG
zusammenfassen. (Dabei haben wir die oben eingeführten Teildia-gramme
vereinigt und in der Anordnung um neunzig Grad ge-kippt.)
§ 53
A-Hauptsatz 43: Mögliche Kontexte implizieren mögliche
Wahr-heitswerte und umgekehrt.
§ 54
A-Hauptsatz 44: Jedes Modellieren von Welthaftem ist zugleich
das Modellieren der Konfiguration welthafter Attribute.
Korollar 1: Zeichen sind Effekte, und diese referieren auf Effekte
wie Zeichen auf Zeichen.
Korollar 2: Konventionelle Zeichen sind Abstraktionen, die eine
relative Konstante fixieren inmitten ansonsten variabler Assoziati-onsketten.
§ 55
A-Hauptsatz 45: Proto-Begriffe (und Proto-Modelle) haben stren-gen
Metapherncharakter.
§ 56
A-Hauptsatz 46: Die Sprachfunktoren O : ORL ? PHRS und S : SCRPT
? PHRS führen die mündliche und schriftliche Kommuni-kation
inmitten sprachlicher Bedeutungsverweisungen propositio-nalen Charakters
zusammen und unterliegen dabei den Zwangsbe-dingungen der Grammatik
(Lexikologie, Syntax, Semantik) auf beiden Sprachebenen (insofern
auch auf eine Diagrammatik deu-tend), so daß das folgende
Diagramm kommutiert:
PHRS ? PHRS
? ?
ORL ? SCRPT
und den unteren Abbildungsgang (der Übersetzung ü des
Gespro-chenen ins Geschriebene) recht eigentlich erst definiert.
Korollar: Übersetzungen (geschriebener Texte) sind somit
Abbil-dungen Ü, derart, daß das folgende Diagramm kommutiert:
PHRS ? PHRS ?j PHRS‘ ? PHRS‘
?O ?S ?S‘ ?O‘
ORL ?ü SCRPT ?Ü SCRPT‘ ?Ü‘ ORL‘
und Proj = ü‘ o Ü. Wenn dann gezeigt werden kann,
daß zudem noch die Übersetzung der Phrasenmarkierungen
nichts weiter ist als die Identitätsabbildung, also j = id,
dann wäre die erwünschte Uni-versalisierung der formalen
Abbildung von Übersetzungen erreicht. Das heißt, man
könnte immer eine Übersetzung zwischen ir-gendzwei Sprachen
finden und damit den Bestand des logisch-rationalen Sprachkerns
sicherstellen.
A-Hauptsatz 47: Hermeneutik ist Logik bei (kontextuell) unvoll-ständiger
Information, und umgekehrt ist Logik eine Hermeneutik bei (kontextuell)
vollständiger Information.
Korollar: Die Wahrheitsdistanz von semantischen Werten eines Satzes
aus der Sicht verschiedener Kontexte ist ein Maß für
die Menge der Konsequenzen dieses Satzes, welche wahr sind, stets
auf die jeweilige Perspektive bezogen.
A-Hauptsatz 48: Rationalität (Irrationalität) eines
kommunikativen Diskurses bestimmen sich danach, ob die Bijektionsvorschriften
für jene Homomorphismen erhalten bleiben, welche die systematische
Abbildungskonsistenz gewährleisten.
§ 57
A-Hauptsatz 49: Die expressio setzt sich zusammen aus (in der
Regel unterschiedlich gewichteten) Anteilen der explicatio und
der complicatio.
Korollar: Mathematik in diesem Sinne ist die formale Logik der
Geometrisierung. Semiologie in diesem Sinne ist die formale Logik
der Metaphorisierung.
§ 58
A-Hauptsatz 50: Epistemologie impliziert ethische Vorentschei-dungen
und bewirkt dadurch die Relevanz der Phantasmen einer vollkommenen
Sprache im Sinne Umberto Ecos.
Korollar: Der mathematische Ausdruck des oben geschilderten Sachverhaltes
(wäre er denn schließlich eingetroffen) ist durch die
Beziehung j = id gegeben, wie im Korollar zum A-Hauptsatz 46 (im § 56)
dargelegt.
§ 59
Weitere phänomenologische Hauptsätze
P-Hauptsatz 31: Die Erkenntnis der Physik erweist sich als Kern
der Erkenntnis der Ethik und impliziert zudem die Ästhetik.
P-Hauptsatz 32 (Epiktet): Alles ist Werturteil.
Korollar: Jede Verfehlung im ethischen Sinne ist Fehlurteil und
rührt vom Unwissen her.
P-Hauptsatz 33: Die Erschließung des Wissens verfährt
metho-disch gemäß der Dialektik zwischen dem Sagbaren
und dem Un-sagbaren und manifestiert sich im Wettbewerb zwischen
der Ord-nung der Zeichen und der Anarchie des Individuums.
Korollar: Das Individuum ist mithin subversiv verfaßt, indem
es zum einen immer schon der Subversion des Subjektes ausgesetzt
ist und zum anderen sich selbst als subversives inmitten des Kollektivs
positioniert und sich insofern zugleich auch delinquent verhält.
P-Hauptsatz 34 (Koch et al.): Ohne Körper geht nichts.
Korollar 1: Die Einfügung des Körpers ist das Netzwerk
der Wirk-vermittlungen physikalischer Kräfte ist dem Prozeß der
Einübung äquivalent.
Korollar 2: Jene Einübung ist es, die im strengen Sinne eine
Le-benstechnik begründet, welche man allenfalls und am besten
Medi-tation nennen kann.
P-Hauptsatz 35 (Agamben): Die Produktion des biopolitischen Körpers
ist die ursprüngliche Leistung der souveränen Macht.
Korollar 1: Jene Produktion ist das globale, kollektive Äquivalent
der Einübung auf der lokalen, individuellen Ebene.
Korollar 2: Der Körper ist die erste Repräsentation
der Schnittflä-che von Natur und Ökonomie.
§ 60
P-Hauptsatz 36 (Foucault): Wissen ist der Raum, in dem das Sub-jekt
die Stellung einnehmen kann, welche es ihm ermöglicht, am
Diskurs teilzunehmen.
Korollar: Selbstbewußtsein des Subjekts ist mithin primär
Bewußt-sein von der Nicht-Souveränität.
P-Hauptsatz 37 (Foucault): Genealogie ist die Fortsetzung der
Ar-chäologie und verhält sich zu dieser wie die praktische
Anwendung zur theoretischen Erhebung.
Korollar 1: Effektive Geschichte erscheint hierbei als Differential-erkenntnis
von Diskursbrüchen und verweist insofern auch auf äs-thetische
Implikationen.
Korollar 2: Jede Hermeneutik ist deshalb immer auch eine Herme-neutik
des Verdachts im Sinne Ricoeurs.
P-Hauptsatz 38 (Sartre): Der Körper erscheint in diesem Zusam-menhang
als materialisierter Ausdruck des In-die-Welt-Geworfenseins.
Korollar: Der Körper ist kontingente Repräsentation
der Notwen-digkeit existentieller Kontingenz.
P-Hauptsatz 39 (Bourdieu): Die körperliche Hexis ist der
prakti-sche Ausdruck der gesellschaftlichen Positionierung menschlicher-Realität.
Korollar 1: Insofern impliziert sie die verschiedenen Praxisformen.
Korollar 2: Die Praxisformen implizieren ihrerseits den Habitus
als ihre eigene Systematisierung.
§ 61
P-Hauptsatz 40 (Bloch): Mit der Subjektivität der Natur muß ge-rechnet
werden.
Korollar: Eine Ontologie des Möglichen wird damit relevant,
wel-che mit konkret praktischen und daher epistemologisch fundierten
Mitteln inmitten des modal verfaßten Alltags zu gestalten
ist.
P-Hauptsatz 41: Gestaltung im Sinne des vorhergehenden Korol-lars
zum P-Hauptsatz 40 ist zu verstehen als praktische Handlung im
Rahmen einer ontologisch wie epistemologisch begründeten Real-Ästhetik.
P-Hauptsatz 42 (Deleuze, Guattari): Im Kontext kommunikativer
Produktion ist Begriffsbildung (conceptio) nicht nur epistemologi-sche
Operation, sondern auch ontologisches Projekt.
§ 62
P-Hauptsatz 43 (Sartre): Magische Transformationen der Welt sind
Atempausen der Reflexion.
Korollar: Sie schöpfen insofern aus dem sozialen Inventar
konkre-ter Real-Ästhetik.
P-Hauptsatz 44 (Sartre): Die Wangen verraten die Könige,
und man muß ihnen mißtrauen.
P-Hauptsatz 45 (Sartre): Gesichter sind natürliche Fetische.
§ 63
P-Hauptsatz 46: Die Natur selbst hat noch nicht zu ihrer endgülti-gen
Diskursform gefunden.
Korollar 1: Diskursformen sind in diesem Sinne experimentell und
je vorläufig, auf jeden Fall stets transitorisch.
Korollar 2: Die Mythologisierung des Ganzen und seines Grundes
verhält sich zum objektiven Wissen auf der Ebene des Kollektivs
wie der mauvaise foi zur subjektiven Authentizität auf der
Ebene der Individuen. (Insofern hat sie primär eine ausfilternde
Schutz-funktion für die Reflexion im Alltag.)
§ 64
P-Hauptsatz 47: Die Mythologisierung des Ganzen schreitet in der
Gestalt von narrativen Gesängen der Existenz fort.
Korollar: Die hierdurch gewonnene Mythologie kann in eine ratio-nale
gewendet werden, wenn die Gesänge der Existenz zu Wis-sensgesängen
werden, welche die Geometrisierung des Welthaften thematisch werden
lassen.
§ 66
Kleines Organon der Begriffe
A. Ontologische Grundbegriffe
1. Grund & Welt (Fundament & Natur)
Diese beiden Begriffe bezeichnen den ersten Schritt auf eine Diffe-renzierung
hin, um den Rand zwischen Nichtsein und Sein auffin-den zu können.
Grund ist in diesem Sinne Begründung der Welt und deren Ursache
zugleich. Der Begriff des Grundes gewinnt eine aktive Konnotation
durch den Umstand, daß er tatsächlich als einer aufgefaßt
werden kann, der die Welt (aus sich selbst heraus) produ-ziert.
Die Welt gewinnt mithin an passiver Konnotation, insofern sie das
Produzierte ist. Auf der anderen Seite sind Produktionsmo-den permanenter
Ausdruck des Welthaften, das deshalb als welthafter Prozeß mit
gegebener Struktur repräsentiert werden kann. Beide Regionen,
jene des Nichtseins und jene des Seins sind zudem gegen die Region
des Nichts abgegrenzt. Alle zusammen ergeben die Fundamentalstruktur
all dessen, was es überhaupt gibt und geben kann. Grundbegriffe
dieser Art haben die Bedeutung von (philosophischen) Kategorien
im strengen Sinne.
2. Immanenz & Transzendenz
Diese beiden Begriffe klären das Verhältnis der strukturellen
Regi-onen, welche durch die ersten beiden Begriffe vorgegeben werden,
zueinander mit Blick auf die intrinsische Multiperspektivität
des Welthaften. In diesem Sinne ist der Grund zur Welt, was die
Sub-stanz zu den Attributen ist. Die letzteren werden multiperspekti-visch
gespiegelt. Die Einigung aller möglichen Perspektiven, die
man von den Attributen haben kann, ist das Substrat des Welthaf-ten.
Der Substanzbegriff trägt hierbei beide Konnotationen von
Immanenz und Transzendenz, weil es auf die Festlegung der Per-spektive
ankommt, unter der man Substanz und Attribute themati-siert. Nämlich
je nachdem, ob man die Substanz als die eine Welt realiter auffaßt
und mithin die vielen Welten als verschiedene mo-dale Perspektiven
dieser einen oder als Grund der vielen verschie-denen Welten. In
dem letzteren Fall ist die Substanz alles was rea-liter ist, und
die Welten sind je modal verfaßt. (Aus immanenter Sicht sind
Fundament und Natur das Universum. Das Multiversum dagegen ist
die Menge der verschiedenen Perspektiven, unter denen man das Universum
in Sicht nehmen kann.) Das Substrat ist welt-haftes Subjekt. Die
Substanz ist vorweltliches Subjekt. Mithin ist Subjektivität
das aktive Subsistieren und Inhärieren dessen, was anderem
zugrundeliegt. Möglichkeit und Aktualität können
zudem durch den Feldbegriff in alternativer Form differenziert
werden.
3. Totalität & Singularität
Die zentrale Dualität, die Welthaftes bestimmt, ist jene
zwischen dem Ganzen (Totalität) und der individuellen Einzelnheit
(Singula-rität), einmal im Verhältnis zwischen den Kollektiven
der verschie-denen Materieformen und ihren einzelnen Exemplaren
in Erschei-nung tretend, zum anderen im Verhältnis der Menge
aller mögli-chen Materieformen zum einzelnen Kollektiv einer
besonderen Materieform. Die dialektische Fundamentalstruktur von
Welthaf-tem drückt sich in der Hauptsache als permanente,
progressive Vermittlung (Mediation) von Singularitäten und
Teiltotalitäten in-mitten der einen Totalität aus.
B. Theoretische Hauptbegriffe
Die nachfolgenden Begriffe können als Ableitungen aus den
zuerst genannten Begriffen aufgefaßt werden. Sie sind in
diesem Sinne nicht selbst Kategorien, sondern allenfalls abgeleitete
(derivierte) Kategorien.
1. Bewegung (commotio)
Traditionell bedeutet der Begriff der Bewegung hier „Entwicklung“ und
wird zur allgemeinen Beschreibung der permanenten Pro-zeßstruktur
von Welthaften genutzt. In diesem Sinne sind Prozesse die welthaften
Spuren der fundamentalen Konfliktstruktur, welche dem Grund der
Welt inhäriert. Mithin ist der Begriff der Bewegung etwas,
das auf einen Umstand rekurriert, der aus der Sicht des Welthaften
nicht beschrieben werden kann und deshalb als Rück-projektion
auf den lediglich spekulativ erfaßbaren Bereich der Sub-stanz
dient. Dieses ist gleichwohl immer ratio dieser Bewegung.
2. Emergenz
Der Begriff der Emergenz verweist auf den „Einsatz von Bewe-gung“,
weniger auf die Bewegung selbst. Tatsächlich geschehen „an
Punkten der Emergenz“ die wirklich wichtigen Dinge in der
Welt, in einem strukturellen Sinne. Zwischen solchen Punkten wird
nichts weiter als die strukturelle Stabilität der Materieformen
auf-rechtgehalten. Entwicklung zwischen Punkten der Emergenz heißt
Evolution. Was dabei „entfaltet“ wird, ist im wesentlichen
das Po-tential der Bewegung, das bei der Emergenz bereitgestellt
wird. Mithin emergiert Bewegung selbst am Anfang der Welt, das
heißt anläßlich der initialen Emergenz von Welthaftem.
3. Raum-Zeit (tempus spatiosum)
Die bisher eingeführten Begriffe sind selbst dynamisch verfaßt
und legen insofern den Grund für die Begriffe von Raum und
Zeit (Weltschaft). Diese sind somit eine Konsequenz der Weise,
in der wir die Prozeßstruktur der Welt vorstellen. Sie sind
daher auch nicht der Grund von Bewegung, sondern umgekehrt: die
letztere begründet die Begriffe von Raum und Zeit. Welthafte
Bewegung umfaßt die Beobachtung von Emergenz und Evolution.
Materielle Objekte werden aus der Raum-Zeit ausdifferenziert als
Bestandteile der Weltschaft. In diesem Sinne erscheint der Materiebegriff
frei-lich nur als Bezieichnung für eine lokalisierbare Verdichtung
der Raum-Zeit. Alternativ haben wir deshalb im Vorliegenden auch
häufig von Raum-Zeit-Materie gesprochen.
4. Symmetrie
Der Symmetriebegriff gewinnt seine Bedeutung vor allem durch die
eigene Negation, nämlich im Falle des (raumzeitlichen) Sym-metriebruches.
Insofern Bewegung überhaupt als Sukzession von Symmetriebrüchen
aufgefaßt werden kann, sind Symmetrien kog-nitive Modelle
struktureller Stabilität und gewinnen Gesetzesstatus.
5. Komplexität
Der Komplexitätsbegriff stellt Kriterien bereit zur Erfassung
der hierarchischen Ordnung beobachtbarer Strukturen in der Welt.
In diesem Sinne sind immer nur Materieformen komplex organisiert,
denn das Substrat, das wir kursorisch Materie nennen, bleibt stets
unverändert. Der Komplexitätsbegriff erfaßt die
Vielfalt der obser-vablen Formen qualitativ wie quantitativ und
ergänzt somit die Insichtnahme dieser Vielfalt, die bereits
die Dualität von Totalität und Singularität vorprägt.
C. Epistemologische Grundbegriffe
Im Gegensatz zu ontologischen Begriffen, die Kategoriencharakter
haben (oder abgeleiteten Kategoriencharakter), werden epistemolo-gische
Begriffe pragmatisch aus der Praxis heraus entwickelt und haben
zunächst eher heuristischen Charakter. (Wir haben im Vor-liegenden
diesen Unterschied zwischen ontologischen und episte-mologischen
Begriffen – und Sätzen – als einen zwischen axioma-tischen
und phänomenologischen Begriffen (und Sätzen) bezeich-net.)
In Wahrheit aber dominieren die letzteren die ersteren, weil alles
immer nur aus der je verfügbaren Multiperspektivität
mensch-licher Reflexion heraus in Sicht genommen werden kann (jeden-falls
für uns Menschen auf diesem Planeten im gegenwärtigen „Augenblick“ unserer
Epoche).
1. System & Struktur
Diese beiden Begriffe reflektieren die systematische Organisation
welthafter Aktualität, die ihrerseits in der systematischen
(architek-tonischen) Organisation der Theorien über die Welt
widergespie-gelt wird. Methodisch tragen diese Begriffe zudem der
Tatsache Rechnung, daß Prozeßstrukturen eher durch
die netzwerkartige Interaktion zwischen Systemkonstituenten bestimmt
werden als durch das bloße Vorhandensein der Konstituenten
selbst. Sie erwei-tern insofern das Differenzierungsinventar der
kognitiven Verarbei-tung von Observablem.
2. Differenzierung & Rekonstruktion
Strukturen differenzieren mithin Systeme. Diese differenzieren
ihrerseits das Substrat. Jedes System hat eine verschiedene Umge-bung,
die auch andere Systeme enthält. Um die Charakteristika eines
Systems zureichend genau bestimmen zu können, bedarf es der
Rekonstruktion seiner Genese, auf progressiv-regressive Weise.
3. Metaphorisierung
Die Bedeutung von Systemen inmitten des Substrats wird durch Metaphern
generiert. In diesem Sinne sind Modelle selbst nichts weiter als
komplexe Metaphern. Theorien sind Systematisierungen dieser Modelle.
Sprache basiert somit wesentlich auf Metaphorisie-rung. (Einen
dualen Gegenbegriff zum Begriff der Metaphorisie-rung einführen,
etwa Konzeptualisierung oder Signifizierung, heißt, immer
schon Bedeutungen unterstellen zu wollen, welche nicht im Sinne
einer Begriffsübertragung eine Analogie zu ihrem Kern ha-ben,
sondern selbständige (unveränderliche) Entitäten
darstellen. Wir vertreten hier allerdings die Auffassung, daß es
die letzteren nicht geben kann und daß es daher immer nur
um die Analogisie-rung von Analogien gehen kann, derart, daß nicht
absolute Begriffe auf andere Begriffe einwirken, sondern nur (neue)
Analogien auf (bereits vorhandene) Analogien, Metaphern auf Metaphern,
Model-le auf Modelle. Mithin ist ein Gegenbegriff in diesem (Ausnahme-)
Fall entbehrlich.)
4. Logoi & Topoi
Es gibt zwei Klassen speziell mathematischer Metaphern, welche
die formale Modellierung von Welthaftem bestimmen. Hierbei stellt
die formale Modellerierung einen Spezialfall der allgemeinen Modellierung
dar und verhält sich zu dieser letzteren wie Logik zu Hermeneutik.
Wegen des vollständigeren Informationsstandes, wird die Evaluation
formaler Systeme vergleichsweise einfach, indem sie eine mathematische
Repräsenation gestattet. In diesem Zusammenhang können
Logoi (im Sinne René Thoms) als Katalo-ge von Metaphern
aufgefaßt werden, welche der Erfassung von Welthaftem dienen.
Dagegen sind Topoi (im Sinne von Goldblatt, Lawvere, MacLane und
anderen) jene Kataloge, die für die Opera-tion der menschlichen
kognitiven Konstitution relevant sind. Das heißt, Logoi zielen
auf der Überdeckung der Substanz mit unend-lich vielen Attributen,
während Topoi auf jene zwei Attribute (oder auf das eine Attribut)
abzielen, die (das) in den menschlichen Mo-dus fallen (fällt).
5. Poetische Praxis
Insofern der Rekonstruktionsprozeß von Welthaftem sich sowohl
auf skeptisch erfaßtes Wissen als auch auf spekulativ ausgreifende
Phantasie bezieht, wenn die letztere auch immer an einen Rahmen
der Katalepsis gebunden bleibt, ist die Praxis von Beginn an wie
ein poetisches Gemenge verfaßt, derart, daß auch die
zustande-kommenden Werturteile (im Sinne der Hypolepsis), die ja
selbst nur als Projektionen aufgefaßt werden, niemals völlig
frei sind von solcher faktischen Invention, die den reinen Projektionsrahmen übersteigt
und damit innovative Einsichten provoziert, deren Mög-lichkeit
nicht schon von vornherein im Prozeß angelegt war. (Es versteht
sich, daß auch Praxis immer nur eine sein kann, insofern
die ihr formal entgegenstehende Hexis ihr nicht auch praktisch
ent-gegensteht, sondern vielmehr als Feld der Möglichkeiten
bereits im Prozeß der Rekonstruktion selbst enthalten ist.)
D. Praktische Hauptbegriffe
Die Kapazität der Insichtnahme von Welthaftem durch soziale
Sys-teme (wie jenen des Menschen) verdankt sich dem Differenzie-rungsgrad
der bereits eingeführten Begriffe. Im Zuge dieser Diffe-renzierung
bieten sich weitere Begriffe dar, die der Praxis unter technischen
Gesichtspunkten näherstehen als die bisherigen und deshalb
auch Eingang in den eher untechnischen Alltagsdiskurs finden.
1. Bewußtsein (conscientia)
Das Denken selbst, insofern es reflektiert (namentlich als cognitio),
ist wesentlich digital verfaßt, während die Wahrnehmung
(percep-tio) eher zur analogen Abbildung der Welt hinneigt. In
diesem Sin-ne kann man das Bewußtsein als ein digitalisierendes
Prozessieren von Information auffassen, die in der Hauptsache aus
der Wahr-nehmung stammt. Offensichtlich sind reflektierende Individuen
hierbei „Knotenpunkte“ des Prozesses, aber die „Kanten“ des
Netzwerkes von Interaktionen sind gleichermaßen wesentlich.
Das heißt, Bewußtsein ist nicht „innerhalb“ des
Denkens von Personen lokalisierbar, sondern ist inmitten des Diskurses.
2. Ungleichzeitigkeit (Asynchronizität)
Nicht nur spiegelt dieser Begriff die immanente Multiperspektivität
von Welthaftem (und der Modellierung dieses Welthaften) wider,
sondern er verweist auch speziell auf den Umstand, daß verallge-meinerte
Erkenntnis (in communicatio entfaltete cognitio) niemals ideal
aufgehoben werden kann, sondern daß es stets ungleichzeitige
Residuen gibt, welche Widerstände darstellen, die bestenfalls ü-berwunden
werden können. (Alternative Begriffe hierfür sind Kontrafinalität
(Sartre) und Divergenzprinzip (Thom/Zeeman). Diese bezeichnen wesentliche
Charakteristika des sozialen Prozesses der Kommunikation.)
3. Utopie & Mythologie
Tatsächlich stellen diese beiden Begriffe ein Gegensatzpaar
dar, weil die Utopie – als das im Prozeß aktual anvisierte,
wenn auch nicht erreichbare – aus dem Feld des Realisierten
immer schon ableitet und daraus auch die Potenz schöpft,
künftig konkrete Metopien hervorzubringen. Während die
Mythologie zwar formal auch das Ziel der Selbstbegründung
verfolgt, dieses Unternehmen aber unter explizitem Abweis rational
verfaßter Kommunikabilität durchzuführen unternimmt.
Im Grunde ist die Utopie das narrativ Erwünschte, in dessen
Narration Metopien praktisch werden. Die Mythologie ist dagegen
jenes narrativ Erwünschte, in dessen Narration metopisch
Wirksames mit dem Schleier der Mystifizierung verhüllt und
ignoriert werden soll. Utopisch sind ihrer Natur gemäß die
Wissenschaften, die Künste und die Philosophie. Mythologisch
sind ihrer Natur gemäß die Religion, die übrige
Esoterik, der all-gemeine Aberglaube, die irregeleiteten Ideologien.
4. Freiheit
Der Freiheitsbegriff erfaßt den Anfang der Begründung
ebenso wie das Ende aller künftigen Antizipationen. Im Grunde
führt er die ganze Bewegung der Begriffe wieder auf den Startpunkt
zurück und verweist insofern neuerlich auf den ersten Ansatz
der Grund-begriffe (in den Abschnitten A. 1 und C. 1). Gleichwohl
ist er ein praktischer Begriff, von dem alles ausgeht, und der
dazu benutzt wird, die unterschiedlichen Aspekte des Alltags auf
ein gemeinsames Fundament zu beziehen. Freiheit im ontologischen
Sinne ist nichts anderes als die Eigenschaft der Substanz, unter
anderem welthaft gegliedert zu sein. Freiheit im praktisch-epistemologischen
Sinne ist die Spur der Substanz, wie sie sich in deren Attributen
in wesentlich fragmentierter Gestalt inmitten des Welthaften ausdrückt.
P-Hauptsatz 48: Die schließenden Bewegungen durch das Organon
der Begriffe folgen der Konstitutionsrichtung von Welthaftem nach.
Korollar: Die schließende Bewegung durch
das Organon der Begriffe vollzieht den Gang der progressiv-regressiven
Methode
im Zuge der urteilenden Formulierung von Propositionen nach.
P-Hauptsatz 49: Andererseits springt die Bewegung zugleich in
die Gegenrichtung zur genannten Sukzession, als komplementäre
Un-ternehmung zur Reflexion, nämlich als präreflexive
Existenzemp-findung.
P-Hauptsatz 50: Die prototheoretische Matrix
der Begriffe gibt den onto-epistemischen Rahmen für die Erfassung
von Welthaftem vor und definiert dadurch einen unveräußerliches
Inventar der kommunikativ vermittelbaren Annäherung an diese.
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